Wie das Wörtchen „angeblich“ eine gute Sache diffamieren kann

Ein Leserbrief von Simone Sanftleben

Am Montag, den 11. Mai erschien in der Printausgabe der MZ eine kurze Meldung mit dem klangvollen Titel „Am Samstag wird’s bunt“.
Doch schon im ersten Absatz wurde deutlich, dass hier nicht beabsichtigt war, eine neutrale Ankündigung zu verfassen, sondern dass man darauf abzielte, den Inhalt und die Zielsetzung der Veranstaltung bereits vorab in Frage zu stellen.


Statt einfach neutral – wie man das als Abonnent meiner Meinung nach erwarten dürfte – darüber informiert zu werden, dass am Samstag neben dem Minimarathon auch noch eine angekündigte Demonstration zum „Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie“ auch IDAHOT genannt, stattfinden wird, zog man es vor, dreimal das Wort „angeblich“ einzuflechten, und zwar eigentlich bei jeder inhaltlichen Aussage.
(Bei der Auflistung der beteiligten Gruppen von angeblich zu sprechen, wäre ja auch zu dreist gewesen).
So heißt es hier:“ Ein Bündnis geht gegen angebliche Homo- und Transphobie auf die Strasse“ (sic!), oder an anderer Stelle „die angeblich öffentliche Hetze gegen den Bildungsplan in Baden- Württemberg…“ (sic!), sowie „…in der Mitte unserer Gesellschaft seien homo- und transphobe Haltungen und Handlungen Alltagsrealität, wird von den Veranstaltern behauptet…“ (sic!).
Nun, die Hetze gegen den Bildungsplan war nicht nur angeblich öffentlich, sondern war für jeden interessierten Menschen auf der Seite von openpetition nachlesbar. Darunter haufenweise beleidigende und hochaggressive Kommentare. Für betroffene Jugendliche, die, warum auch immer, auf diese Seite gerieten, war das, was sie da zu lesen bekamen, absolut traumatisierend. Das alles im Internet zu recherchieren dauert etwa 30 Minuten. So viel Zeit sollte auch vielbeschäftigten und leider unterbezahlten Journalisten und Redakteuren bleiben.
Für die restlichen Punkte empfehle ich zudem heute den ARTE- Themenabend, der sich auf ganz wunderbare Weise mit dem Problem auseinandersetzt. Ob sich das eigene Weltbild, in dem Homo- und Transphobie nur eingebildet sind, dann noch aufrechterhalten lässt, erscheint mir mehr als fraglich.