Kampfeinsätze der Bundeswehr in Syrien oder anderswo sind völliger Unsinn

„Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen.“ Dieser Satz wird unter anderm Willy Brandt zugeschrieben und er ist aktueller denn je. Denn die Bundesregierung wird kommenden Dienstag Kampfeinsätze der Bundeswehr in Syrien beschließen – voraussichtlich mit Zustimmung aller im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der Partei „Die Linke“.
Dabei haben Kampfeinsätze bisher in der Region immer zu Krieg und Terror und nie zu mehr Sicherheit geführt. So ist inzwischen unbestritten, dass der IS aus der Terrororganisation Al- Kaida hervorging und nur deshalb so viel Unterstützer und Anhänger im arabischen Raum fand, weil in der Region permanent Krieg herrscht. Anders ausgedrückt: Die USA haben mit ihrem völkrerrechtswidrigen Irakkrieg den IS ins Leben gerufen, den zu bekämpfen man jetzt vorgibt.
Mit Krieg kann man Terror nicht schwächen, so Sahra Wagenknecht im Tagesschau- Interview. Statt dessen müssten Gespräche geführt werden, unter anderem mit der Türkei, über deren Grenzen der IS mit Waffen versorgt wird oder mit Saudi Arabien, von wo aus ein Großteil der Finanzmittel der Terrororganisation kommen. Für den Konflikt gibt es keine kurzfristige Lösung, helfen kann einzig uns allein die Diplomatie. Und nicht zuletzt unsere Solidarität mit den Betroffenen, nicht unser Hass auf die Terroristen.
Die Bundesregierung ist dabei, an der Seite Frankreichs und der USA die Fehler von 9/11 zu wiederholen – obwohl doch in Folge dieses schrecklichen Ereignisses deutlich wurde, dass Krieg den Terror nicht bekämpfen sondern in statt dessen verstärken wird.

Von „Krieg“ spricht der französische Staatspräsident Hollande nach den Anschlägen in Paris. Von „Krieg“ sprach auch George W. Bush nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 in New York. Die Rhetorik ähnelt sich, die Konsequenzen glücklicherweise noch nicht ganz. Während die französische Armee ihre Luftangriffe auf die IS-Hochburg Rakka zwar verstärkte, marschierte US-Präsident Bush mit seinen Alliierten in den Irak ein. Und eben jener Irak-Krieg und das Verhalten der Besatzer sind maßgeblich verantwortlich für den Aufstieg des sogenannten „Islamischen Staates“.
So stürzten die Kriegsallianz nicht nur den irakischen Diktator Saddam Hussein, sondern entließ dann auch alle Mitglieder der „Baath“-Partei Husseins aus Militär, Verwaltung und Geheimdienst, entmachtete so das sunnitische Establishment im Irak. Dieses Dekret, das vor allem mit dem damaligen Vertreter der USA im Irak, Paul Bremer, in Verbindung gebracht wurde, trieb die Sunniten im Irak in den Widerstand.
„Paul Bremer hat in meinen Augen eine der katastrophalsten Fehlentscheidungen der ganzen Irak-Geschichte getroffen. Die irakische Armee beispielsweise komplett aufzulösen war ein Schwachsinn ohne Gleichen“, sagt der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Klaus Naumann im Panorama-Interview. Denn der Erlass kam quasi einem Berufsverbot gleich. Man hätte zumindest den „Mitläufern“ des Regimes eine materielle Perspektive geben müssen, so Naumann.
Doch nichts dergleichen geschah. Die USA installierten eine irakische Regierung, die von Schiiten dominiert wurde. Die USA verstärkten mit ihrer einseitigen Politik so die Konflikte zwischen den Religionsgemeinschaften.
„Man hat sich Feinde geschaffen, die am Anfang keine Feinde hätten werden müssen. Das waren Karriereoffiziere, das waren Leute, die vorher nie bei irgendwelchen dschihadistischen Gruppen waren. Und diese Leute haben nun nach Wegen gesucht, wie sie wieder an die Macht kommen können“, sagt Christoph Reuter, der für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ das Entstehen des IS beobachtet hat. Viele der ehemaligen Saddam-Leute seien im Widerstand gegen die Amerikaner gewesen, und einige dieser Leute seien „die Schöpfer des IS geworden“.
So legen Dokumente des Islamischen Staates den Schluss nahe, dass einflussreiche Ex-Geheimdienstleute von Saddam Hussein und religiöse Fanatiker ihre gemeinsame Zeit in US-Gefangenschaft nutzten, um Kontakte zu knüpfen und den IS quasi am Reißbrett zu planen. „Der fanatische Glaube der einen und das strategische Kalkül der anderen – diese Kombination der Gegensätze macht den Kern des IS-Erfolges aus“, so Reuter.
Nach 2010 setzten diese Leute ihren Plan dann Schritt für Schritt in die Tat um. Der Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges bot ihnen dort einen Rückzugsraum, indem sie  Stadt für Stadt unter ihre Kontrolle brachten und so ihre Machtbasis ausbauten. „Der IS spielt mit seinem Image. Dass da im Inneren Leute sitzen, die sich nur um Machtausdehnung und Kontrolle kümmern, das wird nie nach außen getragen, weil das hat ja keinen Sexappeal“, erklärt Reuter weiter. „Was nach außen getragen wird, ist ‚Wir sind Gottes Speerspitze im Kampf und wir werden die bestehende Ordnung stürzen!’“
Es gibt für das Problem mit dem IS keine schnelle Lösung, so gerne manche das auch hätten. Und Militärschläge sind nicht Teil einer Lösung, sondern Teil des Problems, daher gilt es, alles zur Verfügung stehende zu tun um die Bundesregierung zu einem Umdenken zu bewegen. Vor allem SPD und Grüne wären gefordert, sich auf ihre Ursprünge zu besinnen.
Quellen:
http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2015/Terrorgruppe-IS-wie-der-Westen-ein-Monster-schuf,terroris100.html
http://www.nachdenkseiten.de/?p=29143

http://www.br.de/radio/bayern2/politik/radiowelt/jan-van-aken-linke-bundeswehr-frankreich-syrien-100.html