Linksjugend Solid beim Besuch von Frauke Petry

Am 14.5.16 lud die AfD KV Rotttal-Inn/Dingolfing-Landau zu einem Vortrag mit Frauke Petry als Hauptrednerin in die Stadthalle in Landau a. d. Isar in Niederbayern ein. Wir, die Linksjugend [’solid] Regensburg, reisten mit einemDutzend Antifaschist*innen an und nahmen an der von der Partei DIE LINKE Niederbayern-Mitte veranstalteten Gegenkundgebung teil. Unterstützt wurde diese von verschiedenen Kreisverbänden anderer Parteien und Organisationen wie dem DGB, Jusos, SPD, Bündnis ’90/Die Grünen und der Linksjugend [’solid].Regensburg. Im Folgenden
möchten wir unsere Erfahrungen und Schlüsse, die wir aus dem Zusammenstoß mit den Rechtspopulisten gezogen haben, teilen.

Um 17:00 Uhr versammelten sich etwa 150 Teilnehmende in Sicht- und Hörweite gegenüber der Stadthalle. Die unterstützenden Gruppen trugen verschiedeneRedebeiträge vor. So sprach auch ein siebzehnjähriges Solid- Mitglied über die „abenteuerlichen Thesen der AfD“ bezüglich Flüchtlings- und Familienpolitik. Mit einem großen Transpi („Aufruhr, Widerstand, es gibt kein ruhiges Hinterland!“) und lauten Sprechchören („Wer der Petry applaudiert, wär ’33 mitmarschiert!“) empfingen wir sowohl die rechte Frontfrau Frauke Petry, als auch die zumeist älteren, männlichen und mit Bayernfahnen ausgestatteten Rechtspopulist*innen.
Mehrfach fotografierten die AfD-Anhänger*innen die Demonstrationsteilnehmenden.
Die aggressive Stimmung äußerte sich außerdem durch beleidigende Rufe und Gesten in Richtung Kundgebung und gipfelte im Zeigen eines Hitlergrußes. Trotz hohem Aufgebot blieb diese Straftat von der Polizei unbemerkt, nicht jedoch von den
Gegendemonstrant*innen, so dass die Demonstration noch stärker aufgewühlt wurde.

Gegen 18:00 gelang es drei unserer Mitglieder, sich unter die etwa 400 Zuhörer*innen in der Stadthalle zu mischen. Mit Standing Ovations begrüßte die euphorische Menge die zum Takt des Bayerischen Defiliermarsches hereinschreitende Petry. Das
kritische Klatschen einer unserer Genossinnnen wurde sofort mit einem tätlichen Angriff quittiert: Ein älterer Mann wurde handgreiflich und befahl ihr, unverzüglich den Saal zu verlassen. Die feindselige Stimmung im Saal entlud sich in primitivsten Diffamierungen sexistischer („Du bist ja ein hübsches Mädel,
aber dir fehlts irgendwo!“, „naiv“) und rassistischer („Wart ihr überhaupt schon mal im Ausland und habt gesehen, wie es da zu geht?!“, „Dann finanzier sie doch mit deinem privaten Geld!“, über ihren aus Oberbayern stammenden Sitznachbarn: „Ach, da hat sie ja eh einen dabei!“) Art.

Petry begann ihren Vortrag vor dieser
grölenden Menge mit dem Zitieren eines AfD-kritischen Flyers und forderte die Urheber*innen auf, vor die Bühne zu kommen. In einer absolut unfairen Gesprächssituation (Petrys Mikrofon war lauter, sie stand oben auf der Bühne,unterbrach die Gegenredner*innen ständig und ist als erfahrene Populistin in Verbalattacken geübt) bediente sie sich ihrer propagandistischen Methodik und
nutzte die rhetorische Unerfahrenheit der Zehntklässler*innen schamlos für ihre Zwecke. Gegenüber der aufgeheizten Menge, die lautstark den Rauswurf der Schüler*innen forderten, berief sich Petry noch auf den demokratischen Grundsatz ihrer Partei, Gegner*innen zu Wort kommen zu lassen. Ein junges Mitglied unserer Gruppe entschloss sich spontan, sich solidarisch zu zeigen und ebenfalls nach vorne zu gehen. Trotz der asymmetrischen Gesprächssituation ließ er sich nicht einschüchtern und bat ihr in diesem durchschaubaren Spiel Paroli. Nachdem er Petry jedoch als „Hetzerin“, die mit den irrationalen Ängsten einer Minderheit
der Bevölkerung spielt, enttarnt hatte, fand die inszenierte Demokratie ein schnelles Ende: ihm wurde ohne Vorwarnung das Mikrofon abgedreht und die Security führte ihn ab.

Draußen drohten sie mit Einschaltung der Polizei und
forderten ihn auf, seine Personalien herauszugeben, da Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen ihn erstattet werde. In Kenntnis seiner Rechte gelang es dem 17-Jährigen jedoch, sich argumentativ aus der misslichen Lage zu befreien. Schwerer zu schaffen machte die bewusste Demütigung durch den Rhetorik-Profi den Schüler*innen, von denen sich eine in Tränen aufgelöst nach
draußen begab.

Fazit:
Diese schockierenden Erfahrungen mit der AfD führten uns einmal mehr vor Augen, wie gefährlich diese Partei und ihre Anhängerschaft sind. Die verbalen und tätlichen Angriffe, die Drohungen und menschenverachtenden Parolen zeigen nicht
nur die politische Gesinnung der AfD-Anhänger*innen, sondern auch die plumpen Kategorisierungen, mittels derer sie ihr antidemokratisches, rassistisches und sexistisches Weltbild verteidigen. Während sich die AfD auf ihren
Veranstaltungen stets auf die Meinungsfreiheit beruft, zeigt ihr Umgang mit Andersdenkenden, wie engstirnig und verhärtet/unflexibel ihr Bild von menschlichen Grundrechten ist. Menschenverachtende Parolen, die sonst nur aus den hintersten Ecken der Stammtische zu hören waren, werden durch den Transmissionsriemen AfD in die Mitte der Gesellschaft katapultiert. Dieser Prozess wird durch den Rechtsruck der sogenannten „Parteien der Mitte“ entschieden gefördert. Entlang der verstörenden/alarmierenden Erfahrungen vom vergangenen Samstag möchten wir mit aller Nachdrücklichkeit sagen: Wer in einer solidarischen Gesellschaft leben möchte, sollte sich spätestens jetzt erheben. Zum Aufstehen gegen Rassismus, Sexismus und menschenverachtende Hetze ist es höchste Zeit.