100 Jahre Freistaat Bayern und ein rotes Sinzing…

Vor 100 Jahren wurde in Bayern die Monarchie begraben und der Freitstaat ausgerufen. Daraufhin folgten hoffnungsvolle Zeiten die alte Monarchie, den Krieg, den Hunger zu überwinden und eine bessere Zeit in Demokratie, Würde und Frieden aufzubauen.  So entstand auch in Sinzing im Landkreis Regensburg ein Arbeiter-und Soldatenrat im „Roten Dorf“ . – Mehr dazu im folgenden Artikel.

Geschichte ‚Rotes Dorf Sinzing‘

Bereits zur Jahrhundertwende um 1900 wurde Sinzing als rotes Dorf bezeichnet, weil sich dort schon 1906 eine sozialdemokratische Ortsgruppe gründete und die linke Arbeiterbewegung sich zusammenschloss. Sinzing hatte zu dieser Zeit ca. 700 Einwohner und war geprägt durch Arbeiter aus den Fabriken und Mühlen.
Nicht nur Sozialdemokraten auch linke Gruppierungen aus der Arbeiterbewegung trafen sich zu dieser Zeit regelmäßig und organisierten 1911 sogar einen 4 ½ wöchigen völlig friedlichen Streik gegen die unsozialen Zustände in der damaligen Farbmühle. Die 22 Streikenden forderten eine Lohnerhöhung um 40 Pfennig pro Tag und 5 Pfennig für die Überstunde. Leider war der Streik nicht erfolgreich und es wurden nur 10 Arbeiter aus dem Kreis der Streikenden entlassen.
Nach dem ersten Weltkrieg bildete sich am 4. November 1918 in Deutschland erste Arbeiter- und Soldaten/Bauernräte als Folge des Kieler Matrosenaufstandes. Während es sich am Anfang um soziale und Antikriegs-Proteste mit der Parole „Frieden und Brot“ handelte, forderten die Räte die Abdankung des Kaisers Wilhelm II. und die sozialistische Republik. Auf dem Reichsrätekongress in Berlin wurde darüber hinaus die Abschaffung der bisherigen Heeresverfassung und die Einführung eines Volksheeres mit gewählten Offizieren gefordert.
1919 wurde auch in Sinzing ein Arbeiter- und Soldaten/Bauernrat gegründet. Mitglieder des Arbeiterrates waren Xaver Sußbauer, Johann Meier, Michael Rödl und Johann Huber. Im Soldaten/Bauernrat waren die Vertreter: Anton Meier (Soldat), Georg Huber (Soldat) Georg Freihart (Metzger) und Johann Schuderer (Gastwirt).
Nach dem Scheitern der Rätebewegung wurde im Jahre 1922 der ‚Deutsch-Republikanische Bund, Ortsgruppe Sinzing‘ von den Sozialdemokraten gegründet und 1924 die Ortsgruppe ‚Reichsbanner Sinzing‘.
Die linken Gruppierungen trafen sich in der damaligen Gaststätte Pommer in der Donaustraße 28 in Sinzing, dessen Besitzer der Metzger Georg Pommer war, der zu dieser Zeit auch der sozialdemokratische Bürgermeister von Sinzing war.
Am 23. März 1925 fand beim Pommer eine Zusammenkunft der Kommunisten von Sinzing statt und im Juni des gleichen Jahres eine Versammlung mit der Reichstagsabgeordneten und Feministin Toni Pfülf statt.
Am 5. Juni 1926 veranstaltete die SPD in Sinzing ein Volksbegehren zum Thema ‚Fürstenenteignung‘ und es kam zur Blüte des ‚Roten Dorfes Sinzing‘. Die SPD’ler, die Kommunisten und viele linke Gruppierungen organisierten sich in Sinzing und belebten das Gemeindegeschehen – ein Gruppierung aus der linken Arbeiterbewegung waren die ‚Roten Radler‘, die in roten Trikots mit ihren Fahrrädern auftraten. Die roten Radler in Sinzing hatten ca. 40 Mitglieder und nannten sich ‚Solidarität Sinzing‘, sowohl auf ihrem Banner als auch auf ihrem Trikot war ein stilisiertes ‚S‘ eingenäht.
Weil Pommer sich bis zuletzt gegen die Nazis wehrte und keine Veranstaltungen von Nazis in seiner Wirtschaft zuließ verhängte die SA im Jahre 1933 ein Hausverbot über die Gaststätte und in Folge davon musste Georg Pommer sein Anwesen verkaufen. Am 22. März 1933 wurde Georg Pommer seines Amtes als Bürgermeister von den Nazis enthoben.
Am 29. März 1933 wurde die Zerschlagung der ‚Roten Radler‘ durch den Innenminister angeordnet, dies beendete auch zugleich die Ära des ‚Roten Dorfes Sinzing‘.
Quellen: Sinzing – von den Anfängen bis zur Gegenwart von Rudolf Ottlinger / Wikipedia
Heute gibt es aber wieder einen linken Ortsverband. Er wurde 2018 gegründet. Schauen Sie doch mal vorbei http://dielinkesinzing.de